Ich wurde im Sommer geboren , mir wurde erzählt dass vorher mein Vetter geboren wurde, eine glückliche Geburt , man freute sich und danach kam die Hebamme halt zu mir. Das nötigste wäre nicht dagewesen und die anderen Kinder müssen ziemlich verwahrlost ausgesehen haben.
Da war ich nun in eine Familie hereingeboren die mich im Endeffekt nicht haben wollte. Vor mir war ein Bruder dem es schon an Fürsorge mangelte und er dann letztendlich vor seinem 1. Lebensjahr verstarb. Auch wenn ich heute noch die Bilder sehe im Fernsehen, von Kindern die verhungern , Menschen die dies einfach zulassen, frage ich mich warum unsere Welt noch immer nicht sensibilisiert ist.
Vielleicht eines Tages begreifen die Menschen das Kinder die Zukunft sind und haben das in ihren Köpfen und ihrem Herzen und nicht nur auf die Zunge.
Meine Mutter muß ziemlich überfordert gewesen sein, sie sagte mal es hätte zu dieser Zeit noch keine Pille gegeben und es wäre ihr zu viel gewesen.
Da war ich nun das jüngste von drei Kindern , mein Bruder war 7 Jahre und meine Schwester 4 Jahre alt.
Meine Mutter war selber bei einer Tante grossgeworden und muss es ziemlich schwer gehabt haben. Diese Kinder waren wie es in dieser Familie üblich schien auch alle aufgeteilt worden zu sein. Einer Tante ist es recht gut gegangen , aber meine Mutter wurde laut Erzählungen ständig benachteiligt. Ich habe viele Jahre später meine Oma einmal kennengelernt, ich mochte weder ihren Frankfurter Dialekt noch ihre Art. Zur Verlobung bekam ich abgetragende Kleidung die sie von irgendwoher mitgebracht hatte und eine Dose Würstchen.
Von meinem Vater weiß ich aus dieser Zeit sehr wenig , wir haben auch in den Jahren in denen ich erwachsen war und hier und da mal bei ihm war nie über diese Zeit gesprochen. Er schweigt es aus ich schweige. Zu der Zeit wo die ganze Geschichte eskalierte war er auf jeden Fall nicht da.
Alles was ich von der Zeit weiß , sind Puzzleteile , zusammengesetzt aus Erzählungen, meine eigenen Erinnerungen sind ungefähr ab dem Alter von drei Jahren.
Wir Geschwister haben es jeder auf unsere eigenen Art geschafft , diesen anscheinenden Fluch der Familie zu durchbrechen, unsere Monster sind nach wie vor bei uns und wir lieben sie über alles.
In dieser Familie lebten damals noch die Großeltern also meine Urgroßeltern. Sie versuchten so viel es ging zu helfen und zu unterstützen , meine Urgroßmutter kochte Essen und ließ es durch meine spätere Pflegemutter zu uns bringen. Später sorgte meine Pflegemutter dass wir was zu essen bekamen, sie sorgte dafür das wir jede Woche Wurst und Brot zur Verfügung gestellt bekamen. Dieses wurde dann später in den Ascheschössern des Ofens gefunden. Ob meine Mutter nur zu stolz war oder was in ihr vorging kann ich nicht sagen.
Die Situation schien sich aber nicht zu bessern, meine Pflegemutter und die spätere Mutter meiner Schwester hielten nachts Wache und versuchten herauszufinden was in dem Haus geschah. Dennoch konnten sie nicht verhindern dass wir drei Tage eingesperrt waren. Irgendwann haben sie dann das Jugendamt informiert, meine Mutter wurde mit einer Überdosis Medikamente ins Krankenhaus eingeliefert und wir Kinder wurden in der Familie aufgeteilt.
Mein Bruder kam zu unserer Oma väterlicherseits, meine Schwester zu einer Tante und ich zu einem Onkel.
Es muss lange gedauert haben bis ich mich erholt habe. Meine Urgroßeltern müssen sehr liebevoll mit mir umgegangen sein und ich wurde von ihnen sehr verwöhnt. Doch sie starben als ich 2 Jahre alt war. Die erste Zeit hatten sie es sehr schwer mich zu ernähren , die Verdauung funktionierte nicht . Dennoch muss ich ein absolut stilles Baby gewesen sein, hätte nie geweint und nur geschaut.
Meine Ma erzählte später noch voller Stolz dass man mich stundenlang auf dem Töpfchen setzen konnte ohne dass ich mich gerührt hätte. Sie wäre einkaufen gefahren und nach einer Stunde hätte ich noch immer an der gleichen Stelle gesessen.
Dieses hinsetzen lassen hat sich auch in den Jahren danach fortgesetzt.
In den ersten Jahren muß es Auseinandersetzungen gegeben haben um das Besuchsrecht. Ich weiß das meine Pflegemutter nicht bereit war daß meine Mutter mich sah. Sie brachte mich eines Tages zum Jugendamt setzte mich auf dem Tisch und gab sich erst zufrieden als sie das alleinige Recht hatte über mich zu bestimmen. Kurz darauf schlug sie meine Mutter aus dem Haus.
Irgendwie muß diese es dann aber geschafft haben mich hin und wieder sehen zu dürfen. Inzwischen kannte ich diese aber nicht mehr und sie wirkte auf mich bedrohlich.

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